…liegt auf dem Rücken der Pferde. Doch was hat das mit Wandern zu tun? Und welche Rolle spielt dabei die Heimat- und Wanderakademie Bayern? Teil 1 einer Serie über das Wandern mit Pferden.

Wer im Brockhaus den Begriff Wandern nachschlägt, liest gleich im ersten Satz: Es handelt sich um vielfältige Formen der aktiven Erholung – etwa auf dem Pferd. Auf dem Pferd? Ja! Doch nicht jeder Ausritt ist eine Wanderung.

Vom Wanderreiten spricht man bei mehrtägigen Wanderungen auf dem Pferd, wobei Naturerlebnis, besseres Kennenlernen der Landschaft sowie die langsame, ursprüngliche und umweltfreundliche Art des Reisens im Vordergrund stehen. Damit orientiert sich das Wanderreiten wesentlich an Leitideen des Wanderverbands Bayern.

Artgerecht für Mensch und Tier

Selbstverständlich geht es beim Wanderreiten auch darum, mit den Tieren vertrauter zu werden, für ihre gesunde Bewegung und ihr Wohlergehen zu sorgen – denn davon hängt es in entscheidender Weise ab, ob eine Reitwanderung gelingt. „Als Sprachrohr des Wanderns in Bayern und als anerkannter Naturschutzverband erkennen wir etliche Schnittmengen zwischen dem klassischen Wandern und dem Wanderreiten“, freut sich Martina Guthmann, die den zukünftigen Fachbereich Sport des Wanderverbands Bayern kommissarisch leitet.

„Wanderreiten setzt ein ausgebildetes, gehorsames und verkehrssicheres Pferd voraus“, erklärt die Expertin Vera Lohrmann. „Als Wanderreitpferde eignen sich naturbelassene Reitpferderassen, Kleinpferde und Araber, aber auch Warmblüter und sogar Maultiere“, weiß Vera Lohrmann, die eine Bio-Landwirtschaft mit Pferdezuchtbetrieb in Niedersachsen besitzt. „Neben der mentalen Eignung kommt es auf die ausreichende Tragfähigkeit des Rückens, ein stabiles Fundament und gesunde Beine an.“

Erlebnisurlaub statt Hochleistungssport

Wie die vielen Wanderer in den Wandervereinen sind auch Wanderreiter gern gemeinsam unterwegs. Die meisten Wanderritte sind Wochenendtouren oder Kurzurlaube in kleinen Gruppen von zwei bis sieben Reitern. Die Pferde gehen zumeist im Schritt und schaffen im Schnitt etwa fünf bis sechs Kilometer pro Stunde. Regelmäßig werden die Tiere geführt, um sowohl das Pferd als auch die Reiter zu entlasten. So kommt an einem Wanderreittag nur selten mehr als 30 Kilometer Wegstrecke bei einer Gehzeit von höchstens acht Stunden zustande.

Übernachtet wird herkömmlich unter freiem Himmel, beim Bauern oder auf Pferdehöfen, denn gute Unterstell- und Versorgungsmöglichkeiten für Pferd und Reiter sind wichtig. Das Gepäck wird entweder auf dem Reitpferd in Satteltaschen oder auf einem Packpferd transportiert. Es gibt aber auch „Wanderreiten ohne Gepäck“, zum Beispiel die Angebote des Pferdefreizeit Oberpfalz e.V.: Auf festgelegten Strecken wird das Gepäck von Hof zu Hof befördert.

Wanderreitführer: berittene Wanderführer

Wer an einem Wanderritt teilnehmen will, muss ein Pferd sicher im Straßenverkehr führen können. Auch das Reiten im Gelände muss beherrscht werden. „Die meisten Wanderreiter haben das autodidaktisch erlernt“, erklärt Vera Lohrmann. Es gibt jedoch auch zahlreiche Kursangebote von Reitschulen und beispielsweise Prüfungen für Geländereiter.

Erfahrene Wanderreiter, die Touren für Gruppen planen und leiten wollen, können sich wie Vera Lohrmann als Wanderreitführer nach Regeln der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) ausbilden lassen. Wichtige Voraussetzungen sind u. a. die Mitgliedschaft in einem Pferdesportverein, die zuvor erworbene Qualifikation Berittführer sowie der Besitz des Wanderreitabzeichens Stufe 2. Die Ausbildung Wanderreitführer (FN) umfasst 45 Lehreinheiten und schließt mit einer Prüfung ab.

„Wanderreitführer brauchen genauso umfangreiches Wissen über Orientierung, Recht und andere Themen wie klassische Wanderführer“, berichtet Vera Lohrmann überzeugt. Obwohl sie als Orientierungsreiterin hervorragende Kenntnisse im Umgang mit Karte und Kompass besitzt, entschied sich die Wanderreitführerin aus Niedersachsen für eine Ausbildung zur DWV-Wanderführerin® durch die Heimat- und Wanderakademie Bayern. „Diese Ausbildung war wirklich hochwertig“, lobt Vera Lohmann den Ende 2020 durchgeführten Lehrgang in Buckow (Märkische Schweiz, Bundesland Brandenburg).

Im zweiten Teil unserer Serie erklären wir den Sport Orientierungsreiten (TREC). Und Vera Lohrmann sagt, warum ihre Ausbildung an der Heimat- und Wanderakademie Bayern dafür goldrichtig war.