Auf Kloster Vierzehnheiligen in Oberfranken erwerben seit Freitag vierzehn Wanderfreundinnen und Wanderfreunde das Handwerkszeug für professionelle Wander-, Natur- und Landschaftsführungen. Die 2in1-Ausbildung der Heimat- und Wanderakademie Bayern findet erstmals in dieser besonderen Umgebung statt.

Das Landschaftsschutzgebiet rund um die berühmte Basilika Vierzehnheiligen und den Staffelberg (539 m) bildet eine optimale Umgebung für die Schulung der Zertifizierten Natur- und Landschaftsführer/innen (ZNL) für die Region Oberfranken. Die Kulturlandschaft und ihre prägenden Bauwerke lassen sich dort ebenso gut studieren wie die Geologie und verschiedene Lebensräume der Fränkischen Alb als nördlicher Ausläufer der Südwestdeutschen Schichtstufenlandschaft.

Exkursion auf den Staffelberg

Als prakitische Übung bereiten die zukünftigen DWV-Wanderführer/innen® eine Exkursion auf den Staffelberg vor. Der Zeugenberg des Jura mit Aufschlüssen von Dogger und Malm, mit wertvollen Magerrasen und seltener Flora und Fauna, ist auch aus historischer Sicht ein interessantes Exkursionsziel: Der “Heilige Berg der Franken” war von der Jungsteinzeit bis zur Römischen Kaiserzeit mehrfach besiedelt. Während der La-Tène-Zeit lag auf dem Staffelberg das keltische Oppidum Menosgada. 1653 wurde die Adelgundiskapelle errichtet.

80 Stunden Theorie und Praxis

Die vierzehn engagierten Mitglieder aus fünf verschiedenen DWV-Mitgliedsvereinen (Frankenwaldverein, Fränkische-Schweiz-Verein, Märkischer Wanderbund Fläming-Havelland, Steigerwaldklub sowie Thüringer Wald-Verein Coburg) erlernen die professionelle Planung und Leitung von geführten Wanderungen und Exkursionen, die Orientierung im Gelände mit Karte, Kompass und GPS, das Notfall-Management und Erste-Hilfe-Maßnahmen, verschiedene Vermittlungs- und Führungstechniken und vieles mehr. Hinzu kommen die regionalspezifischen Inhalte der ZNL-Ausbildung: von Geologie über Ökologie, Naturschutz und Landschaftspflege bis hin zur Baustilkunde. Auf die Entwicklung kommunikativer Fähigkeiten wird ebenso großer Wert gelegt.

Das Know-how der Experten

Erfahrene Referentinnen und Referenten vermitteln die vielfältigen Ausbildungsinhalte. Andreas Lessmann von der Unteren Naturschutzbehörde Fürth ist der Experte für Natur- und Umweltschutz. “Eines meiner Ziele ist es, dass die Leute nachhaltiges Handeln als alltägliche Anforderung begreifen und lernen, wie sie mit einfachen Mitteln zum Natur- und Umweltschutz beitragen können”, so Lessmann. “Wenn sie dieses Know-how auch an Gäste weiterreichen können, ist ein wichtiges Ausbildungsziel erreicht”.

Julia Groothedde-Kollert, Sozialpädagogin und Bildungsreferentin für Umweltbildung, liefert den zukünftigen ZNL Methoden der Natur- und Erlebnispädagogik. “Mir kommt es darauf an, dass die Wanderführer/innen ökologische, soziale und ökonomische Zusammenhänge alters- und zielgruppengerecht vermitteln können”, meint Groothedde-Kollert.

Auch der Präsident des Wanderverbands Bayern, der Archäologe und Historiker Dr. Gerhard Ermischer, gestaltet die Ausbildung mit. Sein Spezialgebiet sind die Kulturlandschaften und ihre Entwicklung. Dr. Ermischer: “Wenn die Natur- und Landschaftsführer den Zusammenhang zwischen Geologie und Böden, Landnutzung, Besiedlung und Bebauung erkennen und erklären können, werden sie zu wahren Botschafterinnen und Botschaftern der Region.”