Warum Naturschutz?

Der Begriff "Natur" (aus dem Lateinischen: natura, von nasci; "entstehen, geboren werden", s. Wikipedia "Natur") wird seit alters her unterschiedlich definiert (s. dazu z. B. die entsprechenden neueren Ausführungen von Rainer Brämer u. andere, die unter http://www.natursoziologie.de/index.php?l=NS zu finden sind sowie aus dem abendländischen Kulturkreis die Schriften von Heraklit von Ephesos, Demokrit, Protagoras, Platon, Aristoteles, Albertus Magnus, Thomas von Aquin, Martin Luther, Giordano Bruno, Jakob Böhme, Robert Fludd, Rene Descartes, Isaak Newton, J. W. von Goethe, Emanuel Kant, Teilhard de Chardin und vielen anderen. Auch in den nichtabendländischen Kulturkreisen gab und gibt es erheblich unterschiedliche Definitionen).

Die Erklärungen für den Begriff "Natur" reichen darin von "Natur ist alles" bis hin zu "Natur ist das vom Menschen Unbeeinflusste". Klarer ist im Begriff Naturschutz der Begriffsteil "Schutz", worunter ein "bewußtes Bewahren", ein "Hüten" oder oft auch "Verteidigen" verstanden wird.

Beim erstgenannten, gesamthaften Naturverständnis ist der Mensch "Teil der Natur", einschließlich aller seiner überlebenserhaltenden Handlungen! Solche Natur schützt/erhält sich über Regelkreise selbst. Nötiger wird bewusstes Bewahren von Natur in Form von "Natur-Schutz", je mehr eine Auftrennung zwischen Natur und Mensch angenommen wird. 

Das Erfordernis von Naturschutz hängt also ab von der Rolle, die dem Menschen zugemessen wird. Diese Rolle wird recht unterschiedlich gesehen, je nachdem, ob die Zukunft als Schicksal oder Chance verstanden wird. Beispielsweise spricht Papst Johannes Paul II. in seiner Ansprache vor den Vereinten Nationen zum 50-jährigen Bestehen der Weltorganisation, von einer "...Sicht des Menschen als vernunftbegabte und freie Person...., die mit Denk- und Entscheidungsfähigkeit begabt und daher der Weisheit und der Tugend fähig ist." (s. Papst Johannes Paul II., Die Menschheit braucht Mut zur Zukunft, in: Würtelen, G. (Hrsg.), Zukunft als Aufgabe, Frankfurt 1998).

Aus solcher Haltung ergibt sich eine Verantwortung für das vom Menschen Beeinflussbare und nicht Beeinflusste und damit auch die Chance, die Welt zu gestalten und die gestaltbaren Teile so zu bewahren, dass diese die Existenz der Menschen nicht gefährden, sondern fördern.

Dies wird erleichtert/betont durch die Auftrennung von "Natur" und "Kultur"! Dabei dürfen wir Menschen die natürlichen Veränderungen aufgrund der Eigengesetzlichkeiten der Natur nicht übersehen.

Auch das nicht vom Menschen Beeinflusste verändert sich stetig (und verändert oft uns Menschen mit). Wir sollten deshalb die Natur so gestalten, dass der Abstand zwischen den natürlichen und den von uns gewollten Veränderungen nicht zu groß wird. Andernfalls riskieren wir ruckartige Anpassungen.

Sehen wir also nicht das Festhalten, sondern das synchrone Gestalten des vom Menschen Beeinflussbaren mit dem vom Menschen nicht Beeinflussbaren als Hauptaufgabe eines Naturschutzes an (s. dazu z. B. den Aufsatz: "Aufgaben ökologisch fundierter Landschaftsgestaltung" unter: http://www.iwoe.de/cmarq/aufgabenland.html ).

Dr. Dr. K. Marquardt, Mai 2011